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Stadtführung in Zwickau: Luther, Neuberin, Clara Schumann ... Dr. Haese

Das sagen andere:

Müntzer in Zwickau und andernorts

Jul 1, 2018

Dr. Ute Haese führt gerne ihre Gäste um die Katharinenkirche herum

Bei herrlichstem Sonnenschein traf sich am 1. Juli 2018 eine kleine Gruppe geschichtsinteressierter Zwickauer zu einer Erkundung über das Wirken von Thomas Müntzer in Zwickau und andernorts. Der Treffpunkt am Brunnen der Freundschaft war gut gewählt - gegenüber der Berufsschule, die früher den Namen Thomas Müntzer trug.
Unsere Gästeführerin Dr. Ute Haese begrüßte uns in historischer Tracht. Es war eine Hommage an die Zeit um 1520 und Thomas Müntzers Ehefrau Ottilie von Gersen. Der Weg ging vorbei am Unteren Tor - ob Müntzer hier das erste Mal Zwickau betrat? - über den Schlosshof vom Schloss Osterstein zum Katharinenkirchhof mit seinem Denkmalensemble. Es war ein sehr interessanter Rundgang. Frau Dr. Haese war sehr gründlich vorbereitet und hatte viele Fakten aus dem mobilen Leben Müntzers zusammengetragen. Sie konnte diese spannend näherbringen und uns mit vielen Episoden zum Wirken in seiner Zeit nacherleben lassen.

Es war ein interessanter, aber auch entspannter Vormittag. Es war sehr angenehm, auch einmal stillzustehen, um z. B. um die Stele der Apokalyptischen Reiter oder das Müntzer-Denkmal auf sich wirken zu lassen. Jürgen Raue stellte ihn als "Gottesknecht" dar. Sein nach oben gerichteter Blick und seine auf die Brust gedrückten, geballten Fäuste zeigen sein Ringen, Gottes Willen zu erkennen, um ihn den Menschen zu verkünden. Das war ihm wichtiger als die Bibel. Aber Müntzer steht auch mit gespreizten Beinen fest auf dem Boden. Das ist die Realität, das Leben der Tuchmachergesellen und der leibeigenen Bauern, das zu ändern er gewillt war, auch gegen die Macht der Oberen. Der er dann letztlich unterliegen muss.

Ein besonderer Glanzpunkt war der Besuch der Katharinenkirche. Der war nicht geplant und deshalb eine angenehme Bereicherung des Rundganges. Das war möglich, weil der Förderverein der Kirchgemeinde es uns spontan ermöglichte, die Ausstellung zum Wirken Thomas Müntzers zu betrachten. Wir bedanken uns! Dass wir dabei einen Blick in die Sakristei und auf den geöffneten Altar aus der Werkstatt von Lukas Cranach werfen konnten, war eine gelungene Überraschung.

Der 90-minütige Rundgang verging wegen der interessanten Ausführungen unser versierten Stadtführerin viel zu schnell. Frau Dr. Haese konnte auf der Grundlage ihrer umfassenden Recherchen das Wirken Müntzers, bei allen Widersprüchlichkeiten und Brüchen, nacherlebbar machen. Der Endpunkt unseres Rundganges war der Dom St. Marien. Hier konnte Frau Dr. Haese eine Einordnung in das Zeitgefüge vornehmen, anschaulich gemacht durch die Mothes-Figuren aus der Reformationszeit.
Es blieb manche Fragen offen zur eigenen Beantwortung oder zum Nachdenken: Wie war das Verhältnis Müntzer - Luther oder auch Müntzers zu den Ratsherren bzw. Tuchmachergesellen zu bewerten? Darf man als gläubiger Christ Gewalt gegen Unrecht setzen? ...

Ein schöner interessanter Vormittag entließ uns zufrieden und mit vielen nachdenklichen Eindrücken zum Wirken Müntzers in Zwickau und andernorts.

Herr Gast, Zwickau