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Stadtführung in Zwickau: Luther, Neuberin, Clara Schumann ... Dr. Haese

Das sagen andere:

Wir kommen bestimmt wieder!

Jul 27, 2015

Das schmalste Haus in Zwickau - ehemals das Haus von Stefan Roth

Wer in Zwickau eine Stadtführung „Auf Luthers Spuren“ bucht, mache sich auf ein Déja-vu gefasst. Wie einem Gemälde von Lucas Cranach d. Ä. entsprungen, präsentiert sich die Gästeführerin Dr. Ute Haese im Outfit des 16. Jahrhunderts als Katharina von Bora, Ehefrau des Martin Luther. Ein geschickter Einstieg nach Maß, denn damit ist gleich der Bann gebrochen für Fragen und Antworten.

Mehrfach predigte der Reformator in der Stadt, wie das Publikum erfährt, um dort theologisch nach dem Rechten zu sehen und – nicht unerwartet – Position auf Seiten der Obrigkeit zu ergreifen. Mit der Vita Luthers ist Dr. Haese bestens vertraut; wie ein roter Faden zogen sich Zitate und Daten durch verschiedene Etappen der Führung: vor dem Haus des widerborstigen späteren Stadtschreibers Stefan Roth, über den Dom und die Katharinenkirche bis zur Paradiesbrücke, wo Luther einem Attentat entgangen sein soll.

Zwischendurch bot der knapp zweistündige Rundgang Dr. Haese immer wieder Gelegenheit, auf weitere Episoden und Gegebenheiten der Stadtgeschichte hinzuweisen: das von Luther initiierte kurze Gastspiel Thomas Münzers in Zwickau, bis er sich mit dem Wittenberger überwarf; die „Alte Münze“ aus dem 15. Jahrhundert, sehr früh mit einem Münzmeister aus Süddeutschland, was die Gäste von dort freut und heute ein vorzügliches Speiselokal mit Hotel ist; das großartig renovierte Schloss Osterstein und vieles andere mehr.

Dass Luthers viel beschäftigter „Herr Käthe“ ihren Gemahl wohl kaum nach Zwickau begleitet haben dürfte, bringt einen weiteren Schwerpunkt Dr. Haeses zum Vorschein: die Frauengeschichte. Ob die weiblichen Figuren am Dom, ob die beeindruckende Lebensleistung von Clara Schumann am Geburtshaus und heutigem Museum für ihren Mann Robert oder der Gedenkstein für die Neuberin, überall gab es aus dem umfassenden Wissensfundus Spannendes und oft auch Neues zu erfahren.

Hätte sich nicht allmählich der Hunger gemeldet, hätte die Führung noch lange weitergehen können. Aber auch da zeigte Dr. Haese stadtgeschichtliche Kompetenz und empfahl ein hübsches kleines Lokal zur verdienten Rast und Stärkung.

Sigrid und Peter Schild aus Böblingen